KLR-Lexikon – Begriffe der Kostenrechnung
Dieses Glossar erläutert die wichtigsten Fachbegriffe der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR). Es unterstützt Sie beim Verständnis der Kostenrechnungsfunktionen in FibuNet.
B
Beschäftigungsanpassung
Beschäftigungsanpassung bezeichnet betriebliche Maßnahmen zur Erhöhung oder Verminderung der Beschäftigung eines Unternehmens an unterschiedliche Absatzsituationen. Es gibt drei Anpassungsformen:
Zeitliche Anpassung: Erhöhung oder Verminderung der Arbeitszeit. Diese Form eignet sich nur kurzfristig und bis zu einer bestimmten Grenze.
Intensitätsmäßige Anpassung: Erhöhung der Maschinengeschwindigkeit oder Verkürzung der Taktzeit.
Kapazitätsanpassung: Bei dauerhafter Beschäftigungsänderung passen Sie die Kapazität an, z. B. durch Reduktion der Betriebsstätten.
Betriebsabrechnungsbogen (BAB)
Der BAB ist ein zeilenweise nach Kostenarten und spaltenweise nach Kostenstellen gegliedertes Schema zur Durchführung der Kostenstellenrechnung. Er dient folgenden Zwecken:
Verteilung der primären Kosten auf Haupt-, Hilfs- und Nebenkostenstellen
Umlage der sekundären Kosten auf Endkostenstellen im Rahmen der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung
Ermittlung der gesamten Gemeinkosten je Hauptkostenstelle als Grundlage für Kalkulationszuschlagssätze
Kostenstellenbezogene Kostenkontrolle durch Vergleich von Normal- oder Plankosten mit Istkosten
Betriebsergebnis
Das Betriebsergebnis ist die Differenz zwischen Leistungen und Kosten einer Abrechnungsperiode. Sie ermitteln es in der kurzfristigen Erfolgsrechnung (Betriebsergebnisrechnung). Addieren Sie das neutrale Ergebnis zum Betriebsergebnis, erhalten Sie das Gesamtergebnis (Gewinn oder Verlust) der Periode.
Bezugsgröße
Siehe Verteilungsschlüssel.
D
Deckungsbeitrag
Der Deckungsbeitrag ergibt sich als Differenz zwischen den Erlösen und den zurechenbaren Kosten eines Bezugsobjekts (z. B. Produkt oder Auftrag).
Berechnung des Stückdeckungsbeitrags:
Position | Betrag |
Preis pro Stück | 100,00 EUR |
- variable Kosten pro Stück | 60,00 EUR |
Stückdeckungsbeitrag | 40,00 EUR |
Bei 1.000 verkauften Stück beträgt der Gesamtdeckungsbeitrag 40.000,00 EUR. Bei fixen Kosten von 30.000,00 EUR ergibt sich ein Gewinn von 10.000,00 EUR.
Der Deckungsbeitrag ist ein wichtiges Entscheidungskriterium für kurzfristige Fragestellungen wie Preisuntergrenzen, Eigenfertigung vs. Fremdbezug oder optimales Produktprogramm. Der relative Deckungsbeitrag (Deckungsbeitrag pro Engpasseinheit) ist relevant, wenn ein innerbetrieblicher Engpass vorliegt.
Deckungsbeitragsrechnung
Deckungsbeitragsrechnungen sind Teilkostenrechnungssysteme, die Erlöse einbeziehen und zu Erfolgsrechnungen ausgebaut werden. Im Gegensatz zur Vollkostenrechnung verrechnen Sie hier nur einen Teil der Gesamtkosten auf die Kostenträger. Es gibt zwei Grundtypen:
Erfolgsrechnungen auf Basis der Trennung zwischen fixen und variablen Kosten (Direct Costing, Fixkostenrechnung, Grenzkostenrechnung)
Die Relative Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung auf Basis der Trennung zwischen relativen Einzelkosten und Erlösen
Direct Costing
Das Direct Costing ist eine einstufige Deckungsbeitragsrechnung. Es trennt strikt zwischen fixen und variablen Kosten. Nur die variablen Kosten werden auf die Kostenträger verrechnet. Die fixen Kosten fließen en bloc in die kurzfristige Erfolgsrechnung ein. Das Betriebsergebnis ergibt sich aus der Summe der Deckungsbeiträge aller Produkte abzüglich der gesamten Fixkosten.
E
Einzelkosten
Einzelkosten sind Kosten, die sich einem Bezugsobjekt eindeutig zuordnen lassen (im Gegensatz zu Gemeinkosten).
Kostenträgereinzelkosten: direkt einem Kostenträger (Produkt, Auftrag) zurechenbare Kosten
Kostenstelleneinzelkosten: direkt einer Kostenstelle zurechenbare Kostenarten
Eine besondere Bedeutung haben Einzelkosten als relative Einzelkosten in der Relativen Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung.
Erfolgsrechnung
Die Erfolgsrechnung ermittelt den Erfolg der Geschäftstätigkeit. Es gibt kalkulatorische Rechnungen (orientiert an Realgüterströmen, z. B. Kostenrechnung und Leistungsrechnung, internes Rechnungswesen) und pagatorische Rechnungen (orientiert an Zahlungsströmen, z. B. Einnahmen-/Ausgaben-Überschussrechnung, Jahresabschluss, externes Rechnungswesen).
Erfolgsrechnung, kurzfristige
Die kurzfristige Erfolgsrechnung ermittelt das Betriebsergebnis als Differenz zwischen Leistungen und Kosten einer Periode. Sie ist ein wichtiges Kontroll- und Führungsinstrument, da sie sich an den Rechnungszwecken der Unternehmensführung orientiert. Der Abrechnungszeitraum beträgt üblicherweise einen Monat. Bezugsobjekte können Produkte, Produktgruppen, Aufträge, Abnehmer, Absatzgebiete oder Geschäftsbereiche sein. Sie lässt sich als Vollkosten- oder Teilkostenrechnung ausgestalten.
Erlös
Der Erlös ist die in Zahlungsmitteln ausgedrückte Summe der in einer Periode verkauften Sachgüter und Dienstleistungen (Umsatz). Er wird in internen und externen Erfolgsrechnungen verwendet.
Erlösrechnung
Die Erlösrechnung systematisiert die Erlöse einer Periode nach Bezugsobjekten (z. B. Produkte, Aufträge, Marktsegmente, Kunden). Lassen sich Absatzleistungen eindeutig zuordnen, handelt es sich um Einzelerlöse. Nicht eindeutig zuordenbare Erlöse sind Gemeinerlöse. Die Erlösrechnung ist Teil der kurzfristigen Erfolgsrechnung.
F
Fixkostendeckungsrechnung
Die Fixkostendeckungsrechnung ist eine mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung. Sie verteilt die fixen Kosten auf mehrere Bezugsobjekte, typischerweise in folgender Stufung:
Produktfixkosten
Produktgruppenfixkosten
Kostenstellenfixkosten
Bereichsfixkosten
Unternehmensfixkosten
Diese Aufspaltung gibt Hinweise auf die Abbaubarkeit fixer Kosten.
Fixkostendegressionseffekt
Mit zunehmender Ausbringungsmenge sinken die Stückkosten, da sich die fixen Kosten auf eine immer größere Menge verteilen. Die Formel lautet:
Stückkosten = (fixe Kosten / Ausbringungsmenge) + variable Kosten pro Stück
Dieser Effekt bildet die Grundlage des Gesetzes der Massenproduktion und ist auch beim Verfahrensvergleich relevant.
G
Gemeinkosten
Gemeinkosten sind Kosten, die sich einem Kostenträger oder einer Kostenstelle nicht eindeutig zuordnen lassen (im Gegensatz zu Einzelkosten). Sie werden über Hilfsgrößen (Verteilungsschlüssel) zugerechnet.
Kostenträgergemeinkosten: nur über Verteilungsschlüssel einem Kostenträger zurechenbar
Kostenstellengemeinkosten: nur über Verrechnungsschlüssel einer Kostenstelle zurechenbar
Unechte Gemeinkosten: eigentlich Einzelkosten, die aus Wirtschaftlichkeitsgründen wie Gemeinkosten behandelt werden (z. B. Hilfsstoffe wie Nägel oder Leim)
Grenzkosten
Grenzkosten sind der Kostenzuwachs, der bei einer Variation einer Kosteneinflussgröße (üblicherweise der Ausbringungsmenge) eintritt. Bei linearen Kostenfunktionen entsprechen die Grenzkosten den variablen Kosten.
Grenzkostenrechnung
Die Grenzkostenrechnung ist ein Kostenrechnungssystem auf Teilkostenbasis. Sie trennt fixe und variable Kosten in der Kostenarten- und Kostenstellenrechnung und verrechnet nur die variablen Kosten auf die Kostenträger. Die Fixkosten werden en bloc in die kurzfristige Erfolgsrechnung übernommen. Die Grenzkostenrechnung unterstellt einen linearen Kostenverlauf.
Grenzplankostenrechnung
Die Grenzplankostenrechnung ist eine Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis. Sie berücksichtigt nur die variablen (proportionalen) Kosten. Dadurch stimmen verrechnete Plankosten immer mit den Sollkosten überein, und es entsteht keine Beschäftigungsabweichung. Kostenabweichungen sind daher ausschließlich auf einen höheren oder niedrigeren Verbrauch an Produktionsfaktoren zurückzuführen.
H
Herstellkosten
Die Herstellkosten sind ein Begriff der Kostenrechnung (im Gegensatz zu den Herstellungskosten des Handelsrechts). Sie ergeben sich in der Kostenträgerrechnung als Summe der gesamten Material- und Fertigungskosten. In der Kalkulation ermitteln Sie die Herstellkosten für einzelne Einheiten (Stück, Auftrag).
I
Innerbetriebliche Leistungsverrechnung (Verfahren)
Bei der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung rechnen Sie Kosten den Kostenstellen zu, für die sie angefallen sind. Es gibt folgende Verfahren:
Kostenartenverfahren: Nur Einzelkosten werden der empfangenden Kostenstelle belastet. Gemeinkosten verbleiben bei der leistenden Stelle. Geeignet für Teilkostenrechnungssysteme.
Kostenstellenumlageverfahren: Verrechnung von Hilfskostenstellen auf Hauptkostenstellen. Unterarten: Anbauverfahren (nur Leistungsbeziehungen Hilfs- zu Hauptkostenstellen), Stufenleiterverfahren (Verteilung nach Reihenfolge der Leistungsabgabe).
Kostenstellenausgleichsverfahren: Einzelkosten werden direkt über Belege belastet, Gemeinkosten über Zuschlagssätze verrechnet.
Kostenträgerverfahren: Innerbetriebliche Leistungen werden wie selbständige Kostenträger abgerechnet.
Mathematisches Gleichungsverfahren: Ermöglicht eine exakte Kostenverteilung bei gegenseitigen Leistungsbeziehungen zwischen mehreren Kostenstellen.
Istkosten
Istkosten sind die für einen Kostenträger, eine Kostenstelle oder eine Kostenart in der vergangenen Abrechnungsperiode tatsächlich angefallenen Kosten.
Istkostenrechnung
Die Istkostenrechnung ist ein vergangenheitsorientiertes Kostenrechnungssystem. Sie erfasst die tatsächlich angefallenen Kosten der vergangenen Abrechnungsperiode. Die Rechnung gliedert sich in Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung. Je nach Ausgestaltung als Voll- oder Teilkostenrechnung werden alle oder nur Teile der Kosten auf die Kostenträger verrechnet.
K
Kalkulation
Die Kalkulation ist eine Kostenträgerstückrechnung, üblicherweise auf Vollkostenbasis. Sie ermittelt Herstellkosten und Selbstkosten einzelner Leistungseinheiten als Grundlage für Angebotspreise.
Vorkalkulation: Vorausschauende Beurteilung der Kosten und Ermittlung von Angebotspreisen
Nachkalkulation: Ermittlung der Selbstkosten nach Abschluss der Leistungserstellung zur Kontrolle der Wirtschaftlichkeit
Zwischenkalkulation: Laufende Kostenkontrolle bei Kostenträgern mit langer Produktionsdauer
Kalkulationsverfahren sind u. a. Divisionskalkulation, Äquivalenzziffernrechnung und Zuschlagskalkulation.
Kosten
Kosten sind der bewertete, sachzielbezogene Verbrauch von Produktionsfaktoren. Sie sind die negative Erfolgskomponente in der kalkulatorischen Erfolgsrechnung (im Gegensatz zur Leistung).
Der Zusammenhang zwischen Kosten und Aufwand:
Grundkosten (Zweckaufwand): Kosten, die gleichzeitig Aufwand darstellen
Neutraler Aufwand: Aufwand, der nicht gleichzeitig Kosten ist. Unterarten: betriebsfremder Aufwand (z. B. Spenden), periodenfremder Aufwand (z. B. Steuernachzahlung), außerordentlicher Aufwand
Zusatzkosten: Kosten, denen kein oder Aufwand in anderer Höhe gegenübersteht (z. B. kalkulatorische Unternehmerlöhne, kalkulatorische Zinsen, kalkulatorische Mieten)
Kosten, fixe
Fixe Kosten bleiben bei Variation der Kosteneinflussgröße (z. B. Ausbringungsmenge) konstant. Sie entstehen für die Bereitstellung einer bestimmten Kapazität (Bereitschaftskosten). Fixe Kosten sind nicht absolut unveränderlich. Durch bewusste Disposition (z. B. Kapazitätserweiterung) können sprungfixe Kosten entstehen. Längerfristig sind fixe Kosten durch Anpassungsmaßnahmen abbaubar (z. B. Kündigung von Miet- oder Personalverträgen).
Kosten, kalkulatorische
Kalkulatorische Kosten sind Kosten, denen entweder kein Aufwand oder Aufwand in anderer Höhe gegenübersteht. Sie erfassen den Güterverbrauch unabhängig von handelsrechtlichen Vorschriften. Wichtige Arten:
Kalkulatorische Abschreibungen
Kalkulatorische Wagnisse
Kalkulatorischer Unternehmerlohn
Kalkulatorische Miete
Kalkulatorische Zinsen
Kosten, primäre
Primäre Kosten entstehen für Güter, die von externen Beschaffungsmärkten bezogen werden (z. B. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Arbeits- und Dienstleistungen).
Kosten, sekundäre
Sekundäre Kosten entstehen durch innerbetriebliche Leistungen, die der Herstellung der Endprodukte dienen (z. B. Reparatur von Maschinen durch die eigene Werkstatt).
Kosten, variable
Variable Kosten ändern sich bei Veränderung der Kosteneinflussgröße (im Gegensatz zu fixen Kosten). Sie sind leistungsabhängig (Leistungskosten). Je nach Kostenänderung unterscheidet man:
Proportionale Kosten: Änderung im gleichen Verhältnis wie die Beschäftigung (Reagibilitätsgrad = 1)
Degressive Kosten: Geringerer Anstieg als die Beschäftigung (Reagibilitätsgrad < 1)
Progressive Kosten: Stärkerer Anstieg als die Beschäftigung (Reagibilitätsgrad > 1)
Regressive Kosten: Gegenläufige Entwicklung zur Beschäftigung (Reagibilitätsgrad negativ)
Kostenabweichungsanalyse
Die Kostenabweichungsanalyse ermittelt im Rahmen von Plankostenrechnungen die Abweichungen zwischen Soll-, Ist- und Plankosten. Sie ist Bestandteil der Kostenkontrolle. Es werden drei Abweichungen ermittelt:
Gesamtabweichung: Differenz zwischen verrechneten Plankosten bei Istbeschäftigung und Istkosten
Beschäftigungsabweichung: Differenz zwischen Sollkosten und verrechneten Plankosten bei Istbeschäftigung
Verbrauchsabweichung: Differenz zwischen Istkosten und Sollkosten
Kostenarten
Kosten lassen sich nach verschiedenen Kriterien ordnen:
Nach Abhängigkeit von einer Kosteneinflussgröße: variable und fixe Kosten
Nach Zurechenbarkeit auf ein Bezugsobjekt: Einzelkosten und Gemeinkosten
Nach Zeitbezug: Istkosten, Normalkosten, Plankosten und Sollkosten
Nach Art der verbrauchten Produktionsfaktoren: z. B. Löhne, Gehälter, Abschreibungen, Energiekosten
Nach Funktionsbereichen: Beschaffungs-, Fertigungs-, Vertriebs- und Verwaltungskosten
Nach Herkunft: primäre und sekundäre Kosten
Kostenartenrechnung
Die Kostenartenrechnung erfasst sämtliche Kosten einer Periode nach Kostenarten gegliedert. Sie bildet die Ausgangsbasis für die Weiterverrechnung auf Kostenstellen und Kostenträger. Als Grundlage dienen die in der Finanzbuchhaltung erfassten Aufwendungen und Erträge.
Kosteneinflussgrößen
Kosteneinflussgrößen sind die Ursachen, die die Höhe der Kosten bestimmen. Unmittelbare Einflussgrößen sind die Produktionsfaktoreinsatzmengen und die Faktorpreise. Weitere wichtige Größen sind Beschäftigung, Ausbringungsmengenrelationen, Qualität der Produktionsfaktoren, Betriebsgröße, Produktionsverfahren und Produktionsprogramm.
Kostenkontrolle
Die Kostenkontrolle überwacht und analysiert die Wirtschaftlichkeit des Gütereinsatzes in den Kostenstellen. Schritte der Kostenkontrolle:
Kostenstellenweise Vorgabe geplanter Kosten
Ermittlung der realisierten Kosten und Feststellung von Abweichungen
Durchführung der Kostenabweichungsanalyse
Ableitung von Anpassungsmaßnahmen
Kostenrechnung
Die Kostenrechnung (Kosten- und Leistungsrechnung) ist ein Teilbereich des betrieblichen Rechnungswesens. Sie stellt Informationen für Planungs-, Steuerungs- und Kontrollzwecke bereit. Die Kostenrechnung ist betriebsintern, kalkulatorisch, kurzfristig und freiwillig. Sie gliedert sich in drei Teilgebiete:
Kostenartenrechnung: Welche Kosten sind angefallen?
Kostenstellenrechnung: Wo sind die Kosten angefallen?
Kostenträgerrechnung: Wofür sind die Kosten angefallen?
Kostenrechnungssysteme
Kostenrechnungssysteme lassen sich nach zwei Kriterien einteilen:
Nach zeitlichem Bezug: Istkostenrechnung, Normalkostenrechnung, Plankostenrechnung
Nach Umfang der Kostenzurechnung: Vollkostenrechnung, Teilkostenrechnung
Kostenstellen
Kostenstellen sind die Orte der Kostenentstehung. Sie werden nach verschiedenen Gesichtspunkten gebildet:
Produktionstechnisch: Hauptkostenstellen (direkte Produktbearbeitung), Hilfskostenstellen (indirekte Leistungen), Nebenkostenstellen (Abfall-/Nebenprodukte)
Abrechnungstechnisch: Endkostenstellen (Verrechnung direkt auf Kostenträger), Vorkostenstellen (Verteilung auf Endkostenstellen)
Nach Funktionsbereichen: Material-, Fertigungs-, Verwaltungs-, Vertriebskostenstellen
Kostenstellenrechnung
Die Kostenstellenrechnung verteilt die nach Kostenarten gegliederten Kosten verursachungsgerecht auf die betrieblichen Teilbereiche (Kostenstellen). Rechenschritte:
Verteilung der Kostenträgergemeinkosten auf die Kostenstellen
Innerbetriebliche Leistungsverrechnung: Verteilung der Hilfskostenstellenkosten auf die Hauptkostenstellen
Bildung von Kalkulationszuschlagssätzen zur Weiterverrechnung auf Kostenträger
Kostenstellenorientierte Kostenkontrolle
Kostenträger
Kostenträger sind die vom Betrieb erstellten Leistungen. Das können sowohl für den Absatz bestimmte Produkte als auch zur Wiederverwendung bestimmte innerbetriebliche Leistungen sein.
Kostenträgerrechnung
Die Kostenträgerrechnung rechnet die Kosten den betrieblichen Leistungen zu. Sie wird als Stück- und Periodenrechnung durchgeführt. Die Kostenträgerstückrechnung (Kalkulation) ermittelt Selbst- bzw. Herstellkosten pro Leistungseinheit.
Kostenträgerzeitrechnung
Die Kostenträgerzeitrechnung erfasst die innerhalb einer Periode angefallenen Kosten nach Leistungs- oder Kostenarten gegliedert. Als Verfahren dienen das Gesamtkosten- und das Umsatzkostenverfahren. Die Ergebnisse fließen in die kurzfristige Erfolgsrechnung ein.
Kostenzurechnungsprinzipien
Kostenzurechnungsprinzipien regeln, wie Kosten auf Kostenstellen oder Kostenträger verteilt werden:
Verursachungsprinzip: Kosten werden dem Verursacher zugerechnet (wichtigstes Prinzip)
Proportionalitätsprinzip: Gemeinkosten werden proportional zu Verteilungsschlüsseln verteilt
Durchschnittsprinzip: Gemeinkosten werden durchschnittlich auf Leistungseinheiten verteilt
Tragfähigkeitsprinzip: Verteilung richtet sich nach den Bruttogewinnen der Produkte
Identitätsprinzip: Kosten werden einem Bezugsobjekt nur zugeordnet, wenn beide durch dieselbe Entscheidung ausgelöst wurden
L
Leistung
Die Leistung ist die positive Erfolgskomponente der kalkulatorischen Erfolgsrechnung (im Gegensatz zu Kosten). Sie wird definiert als bewertete, sachzielverbundene Güterentstehung. Der Leistungsbegriff ist kalkulatorisch, nicht pagatorisch.
Leistungskosten
Leistungskosten entstehen unmittelbar durch die Herstellung der betrieblichen Leistungen. Sie verändern sich mit dem Beschäftigungsgrad und sind variable Kosten (im Gegensatz zu Bereitschaftskosten).
Leistungsrechnung
Die Leistungsrechnung erfasst und bewertet betriebliche Leistungen systematisch. In der kurzfristigen Erfolgsrechnung werden die Leistungen den Kosten gegenübergestellt, die Differenz ergibt den Betriebserfolg. Sie unterteilt sich in Erlösrechnung, Bestandsrechnung und innerbetriebliche Leistungsrechnung.
N
Normalkosten
Normalkosten ergeben sich aus der Durchschnittsbildung (Normalisierung) der Istkosten vergangener Perioden.
Normalkostenrechnung
Die Normalkostenrechnung ist ein Kostenrechnungssystem, das Verrechnungs- und Kalkulationszuschlagssätze auf Basis vergangener Istkostenwerte normalisiert. Sind die Istkosten größer als die Normalkosten, entsteht eine Kostenunterdeckung. Sind die Normalkosten größer, entsteht eine Kostenüberdeckung. Da die Normalkostenrechnung mit vergangenheitsorientierten Durchschnittsgrößen arbeitet, erfüllt sie den Kontrollzweck nur eingeschränkt.
P
Plankosten
Plankosten ergeben sich durch Multiplikation der Planverbrauchsmengen mit dem Planpreis des jeweiligen Produktionsfaktors auf Basis der geplanten Beschäftigung. Im Rahmen der Kostenkontrolle stellen Sie die Plankosten den Istkosten gegenüber. Standardkosten sind eine besondere Art von Plankosten mit konstanten Faktorpreisen.
Plankostenrechnung
Die Plankostenrechnung ist ein zukunftsorientiertes Kostenrechnungssystem. Es gibt drei Varianten:
Starre Plankostenrechnung: Plankosten nur für einen bestimmten Beschäftigungsgrad
Flexible Plankostenrechnung: Plankosten für alternative Beschäftigungsgrade (Sollkosten), ermöglicht detaillierte Abweichungsanalyse
Grenzplankostenrechnung: Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis
Plankostenrechnung, flexible
Die flexible Plankostenrechnung ermittelt Plankosten für alternative Beschäftigungssituationen. Als Vollkostensystem werden dennoch die gesamten Kosten auf die Kostenträger verrechnet. Die Trennung in fixe und variable Kosten ermöglicht eine genauere Ursachenanalyse.
Beispiel: Plankostenverrechnungssatz 5,00 EUR pro Fertigungsminute, geplante Beschäftigung 200.000 Minuten, Plankosten 1.000.000 EUR. Bei Istbeschäftigung 190.000 Minuten, Istkosten 1.200.000 EUR, fixen Kosten 400.000 EUR:
Abweichung | Berechnung | Betrag |
Gesamtabweichung | Istkosten - verrechnete Plankosten | 250.000 EUR |
Beschäftigungsabweichung | Sollkosten - verrechnete Plankosten | 20.000 EUR |
Verbrauchsabweichung | Istkosten - Sollkosten | 230.000 EUR |
Plankostenrechnung, starre
Die starre Plankostenrechnung ermittelt Plankosten nur für die Planbeschäftigung. Sie kann lediglich die Abweichung zwischen verrechneten Plankosten bei Istbeschäftigung und Istkosten feststellen. Im Gegensatz zur flexiblen Plankostenrechnung lässt sich die Ursache der Abweichungen nicht identifizieren.
Produktionsfaktoren (nach Gutenberg)
Nach Erich Gutenberg werden betriebliche Produktionsfaktoren eingeteilt in:
Elementarfaktoren: Werkstoffe (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe), Betriebsmittel (Maschinen), objektbezogene Arbeit
Dispositive Faktoren: Planung, Organisation, Geschäftsleitung (Personal)
Prozesskostenrechnung
Die Prozesskostenrechnung ist ein Vollkostenrechnungssystem, das die Verrechnung von Gemeinkosten verbessern soll. Sie geht davon aus, dass die Kostenhöhe von der Anzahl der Tätigkeiten (Prozesse) und der Komplexität der Produktvarianten abhängt. Der Unternehmensprozess wird in Hauptprozesse zerlegt. Die Kosteneinflussgrößen (Costdriver) sind üblicherweise Mengengrößen (z. B. Anzahl der Bestellungen). Für jeden Prozess wird ein Prozesskostensatz ermittelt.
R
Reagibilitätsgrad
Der Reagibilitätsgrad ist eine Kennzahl zur Charakterisierung des Kostenverlaufs. Er ergibt sich als Quotient aus prozentualer Kostenänderung und prozentualer Beschäftigungsänderung.
Relative Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung
Dieses von Paul Riebel entwickelte Teilkostenrechnungssystem verzichtet vollständig auf eine Aufschlüsselung verbundener Kosten und Proportionalisierung von Fixkosten. Die Kosten und Erlöse werden zweckneutral in Grundrechnungen erfasst und in standardisierten oder individuellen Sonderrechnungen ausgewertet. Der Deckungsbeitrag zeigt die Erfolgsänderung an, die durch eine Entscheidung entstanden ist oder zu erwarten ist.
Relative Einzelkosten und Einzelerlöse
Relative Einzelkosten sind die Kosten (Ausgaben) bzw. Erlöse (Einnahmen), die auf dieselbe Entscheidung zurückzuführen sind wie das betreffende Kalkulationsobjekt. Sie orientieren sich am Identitätsprinzip und an pagatorischen Begriffen.
S
Selbstkosten
Selbstkosten sind die Gesamtheit der Kosten für die Herstellung und den Verkauf eines Produkts oder einer Dienstleistung. Sie ergeben sich bei differenzierender Zuschlagskalkulation als Summe aus Herstellkosten, Verwaltungs- und Vertriebskosten.
Sollkosten
Sollkosten werden in der flexiblen Plankostenrechnung für alternative Beschäftigungsgrade ermittelt. Berechnung: variable Plankosten mal Istbeschäftigung plus fixe Plankosten. Durch Gegenüberstellung mit verrechneten Plankosten oder Istkosten ergeben sich Beschäftigungs- oder Verbrauchsabweichungen.
T
Teilkostenrechnungssysteme
Teilkostenrechnungssysteme rechnen den Kostenträgern nur einen Teil der Kosten zu. Es gibt drei Grundtypen:
Direct Costing / Grenzkostenrechnung: Nur variable Kosten werden verrechnet
Fixkostendeckungsrechnung: Mehrstufiges Direct Costing
Relative Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung: Nur Einzelkosten werden verrechnet
Die nicht zugerechneten Kosten fließen global in die kurzfristige Erfolgsrechnung ein.
V
Verteilungsschlüssel
Verteilungsschlüssel dienen der verursachungsgerechten Verteilung von Gemeinkosten auf Kostenstellen oder Kostenträger. Arten:
Mengenschlüssel: Raumgrößen (Fläche), Zeitgrößen (Bearbeitungszeit), technische Maßgrößen (kWh), Gewichtsgrößen, Mengengrößen
Wertschlüssel: Bestandswerte (Anlagenpark), Einstandswerte (Wareneingangswert), Kostenwerte (Einzelkosten)
Vollkostenrechnung
Die Vollkostenrechnung ist ein Kostenrechnungssystem, das sämtliche angefallenen Kosten auf die Kostenträger verteilt. Sie gliedert sich in Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung. Sie kann als Ist-, Normal- oder Plankostenrechnung durchgeführt werden.
Z
Zuschlagskalkulation
Die Zuschlagskalkulation ist ein Vollkosten-Kalkulationsverfahren für Mehrproduktunternehmen mit heterogenem Produktionsprogramm. Sie trennt die Gesamtkosten in Einzelkosten (direkte Zuordnung) und Gemeinkosten (Verteilung über Kalkulationszuschlagssätze).
Summarische Zuschlagskalkulation: Verteilung über nur einen Zuschlagssatz. Einfach, aber undifferenziert.
Differenzierende Zuschlagskalkulation: Eigene Zuschlagssätze je Kostenstelle für eine genauere Kalkulation.
Kalkulationsbeispiel (Schreinerei, Schrankwand):
Position | Betrag (EUR) |
Fertigungsmaterial | 2.500,00 |
+ Materialgemeinkosten (10 %) | 250,00 |
= Materialkosten | 2.750,00 |
Fertigungslöhne | 2.650,00 |
+ Fertigungsgemeinkosten (75 %) | 1.987,50 |
+ Sondereinzelkosten der Fertigung | 230,00 |
= Fertigungskosten | 4.867,50 |
= Herstellkosten | 7.617,50 |
+ Verwaltungs-/Vertriebsgemeinkosten (25 %) | 1.904,38 |
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs | 380,00 |
= Selbstkosten | 9.901,88 |
